Leitfaden Umgang mit Tod & Trauer

Der nachfolgende Leitfaden bzw. "Ablaufplan für den Umgang mit einem Todesfall an der Herwig-Blankertz-Schule" ist das Ergebnis eines Projektes des Fachbereiches Ev. Religion, welches im Rahmen eines Päd. Tages entstand und kontinuierlich fortentwickelt wurde:

--> Zu diesem Handlungskonzept gehört auch ein Notfall-Handbuch mit integrierter Materialsammlung unserer Schule.

--> Das Notfall-Handbuch ist jeweils in den Sekretariaten stationiert.

--> Das Inhaltsverzeichnis des Handbuches sowie eine Auflistung und der Großteil der Zusatzmaterialien sind auch online abrufbar.
 


Jeder in der Schule kann irgendwann einmal mit der Situation von „Tod und Trauer in der Schule“ konfrontiert werden. Unterschiedliche Todesfälle und Situationen können auftreten wie der

  • Tod einer Kollegin / eines Kollegen

  • Tod einer Schülerin / eines Schülers

  • Tod von anderem Schulpersonal

  • Tod von Angehörigen

durch

  • Unfalltod

  • Tod durch Krankheit

  • Suizid

  • Gewaltverbrechen

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Bei Extremsituationen wie z. B. Amoklauf oder Naturkatastrophe bedarf es meist eines speziellen Vorgehens im Rahmen der Krisenintervention, auf das an dieser Stelle aber nicht näher eingegangen werden kann.


 


1. Unverzügliche Meldung eines Todesfalles an die Schul- und Klassenleitung (auch am Wochenende).

2.  Genaues Prüfen der Nachricht durch Schulleitung

      3. Entscheidung der Schulleitung in Abstimmung mit dem schulinternen Krisenteam* des jeweiligen Standortes (bzw. bei Extremsituationen mit dem Kriseninterventionsteam des jeweiligen Regierungspräsidiums) und/oder der betroffenen KlassenlehrerInnen über die weiteren Schritte:

 * Zusammensetzung des schulinternen (Standort)Krisenteams: Schulleitung, Sozialpädagoge, Schulpfarrer/ Religionslehrer, Vertreter des Kollegiums und evtl. ein Sicherheitsbeauftragter

  • Persönliche Klärung, ob eine individuelle Belastung vorliegt, die die Mitarbeit im Krisenteam im aktuellen Fall verhindert

  • Wer informiert wen?

  • Wer hält Kontakt zu wem?

  • Wer entscheidet wann was?

  • bei Suizid: --> Notfall-Handbuch Kap. 6.2, S. 24 ff

  • Dokumentation aller ergriffenen Maßnahmen

  • weitere Tagesordnungspunkte: --> Notfall-Handbuch Kap. 5.2, S. 8

    Evtl. Einberufung einer kurzen Klassenkonferenz, um alle KollegInnen der betroffenen Klasse zu informieren und ein gemeinsames Vorgehen zu besprechen (kurzes Inhalts- und Vorgehensprotokoll)

    4. Information durch die Schulleitung der gesamten Lehrerschaft und des sonstigen Schulpersonals über das Geschehene: Information der LehrerInnen, dass sie auf Wunsch mit einer Fachperson (z. B. Schulpsychologe, Notfallseelsorger, Psychologische Beratungsstelle) sprechen können.

     5. Unverzüglich sollten alle bzw. die betroffenen Klassen durch die jeweiligen LehrerInnen persönlich informiert sein (nicht über eine Durchsage!), auch um der Entstehung von Gerüchten und angstverstärkenden Phantasien entgegenzuwirken. Genaue Absprachen treffen, welche Lehrkraft welche Klasse in welcher Stunde informiert --> Muster-/Vorlagenschreiben verwenden

     6. Information der Klasse durch KlassenlehrerIn (vertraute Bezugsperson der Klasse, evtl. zweite Lehrkraft, Schulleitung oder externer Helfer als Stütze für die/den KlassenlehrerIn):

  • Tipp: vorab möglichst Notfall-Handbuch Kap. 5.2, S. 7ff lesen: „Psychologische Erste Hilfe für unmittelbar Betroffene im Notfallgeschehen“

  • Weitergabe der gesicherten Informationen

  • Beschreibung der Umstände

  • ehrliche Antworten auf Fragen

  • Gefühle zulassen

  • Gedenkminute

  • Angebote, über das Ereignis und die Verarbeitung in geeigneter Weise zu sprechen (evtl. Stuhlkreis und Kerze in der Mitte)

  • Änderungen im Tagesablauf überlegen

  • SchülerInnen nicht allein lassen oder vorzeitig nach Hause schicken (evtl. niemand zu Hause). Schulbesuch hat grundsätzlich stabilisierende Wirkung

  • weitere Tipps für LehrerInnen: --> Notfall-Handbuch Kap. 5.3, S. 13 – 15 / Materialsammlung HBS

  7. Erster Kontakt mit den betroffenen Eltern: Die Schulleitung und betroffene Lehrkräfte (nicht mehr als zwei Personen) suchen, wenn möglich, die betroffenen Eltern auf und bieten ihre Unterstützung an. Dabei steht das Signal der Anteilnahme im Vordergrund, daneben aber auch die Information, wie die Schulgemeinschaft an dem Ereignis Anteil nimmt und was von der Schule her geplant ist. Dabei sind Wünsche der Eltern zu hören und zu respektieren. Hier spielt die Kultur und die Religiosität der Betroffenen eine große Rolle. Das Thema Beerdigung sollte bei diesem Kontakt nach Möglichkeit nicht thematisiert werden, sondern erst bei der zweiten Kontaktaufnahme.

  8.  Öffentliche Bekanntmachung des Todes: Vor Kontaktaufnahme mit den betroffenen Angehörigen werden keine Informationen nach außen gegeben. Anfragen der Presse beantwortet nur die Schulleitung unter Verweis auf die Richtlinien der Medienberichterstattung. Medienvertreter dürfen sich nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Schulleitung und in Begleitung einer Lehrkraft in der Schule aufhalten. Falls die Angehörigen nichts dagegen haben, sollte der Tod öffentlich gemacht werden (je nach Schulform / situativen Gegebenheiten: schriftliche Information an die Eltern der betroffenen Klasse, eventuell auch anderer Klassen, Einberufung eines Elternabends, Bekanntgabe bei Konferenzen, Traueranzeige, Infowand, Schülerzeitung usw.). Entwerfen einer Traueranzeige --> Materialsammlung HBS / Notfall-Handbuch

  9.Einrichten eines geeigneten Gedenkortes („Trauerortes“) in der Schule, an dem die Trauer „festgemacht“ werden kann (z. B. Trauertisch/Gedenkwand mit Kondolenzbuch, Kerze, Bild, Blumen) --> Notfall-Handbuch Kap. 6.7, S. 28 ff

10. Hilfestellung für betroffene SchülerInnen/Klassen („Trauerrituale“): Gesprächsangebot – Möglichkeit schaffen, das Ereignis zu thematisieren, Gefühle auszudrücken, Erinnerungen auszutauschen, Schuldgefühle, Gelegenheiten mit dem Verstorbenen verpasst zu haben, abzubauen. Formen produktiver Verarbeitung: Briefe schreiben, Klassenbilder anschauen, Verstorbene/n bei gemeinsamer Aktivität malen, Gedenktisch oder –wand gestalten. Möglichkeit zum Besuch der Grabstelle, Unfallstelle, des Todesorts: Aufstellen eines Weg- bzw. Unfallkreuzes, Niederlegen von Blumen (nach Rücksprache mit Angehörigen). Umgang mit dem leeren Stuhl – zunächst kann am Platz eine Kerze (ein Bild, andere Erinnerungen...) stehen, später ist die Sitzordnung sinnvoll umzustellen. Aktivitäten betroffener Klassen soweit möglich stützen. Weitere Angebote für Hilfestellungen: --> Notfall-Handbuch Kap. 6.7, S. 28 ff sowie Materialsammlung HBS „Arbeitsblatt Erprobte Rituale und Materialien zum Umgang mit Tod und Trauer in der Schule“

11.Teilnahme bei der Beerdigung: Teilnahme an der Beerdigung ist nicht immer erwünscht (z. B. nur im Kreis der Angehörigen) und nicht immer möglich (z. B. weit entfernte Kirche oder Friedhof). Klärung mit Angehörigen (= zweiter Kontakt), ob Teilnahme der Schulgemeinde erwünscht. Besprechung mit Klasse und Schulleitung: Trauerkarte, Blumengesteck/Kranz, möglicher Beitrag der Klasse und/oder der Schule, kurzes Beisammensitzen nach der Beerdigung.

12. Trauerfeier: Eine Trauerfeier (entweder mit der ganzen Schule – Jahrgangstufe – Klasse – Kollegium) kann nur einen einladenden Charakter haben. Welcher Ort gewählt wird, ist wichtig: Aula in der Schule, der Meditationsraum, eine Kirche in der Nähe. Schüler unbedingt in die Planung einbinden --> Notfall-Handbuch Kap. 6.8, S. 31ff

13. Baldige Wiederherstellung von Halt und Rhythmus durch geregelten Tagesablauf

14. SchülerInnen beobachten (z. B. auffallendes Verhalten): Bei Bedarf Vermittlung professioneller Hilfe und spezifische Hilfestellung in Form von Einzel- oder Gruppengesprächen.

15. Ort der Erinnerung innerhalb der Schule finden: z. B. bei Abschluss- und Entlassungsfeiern MitschülerInnen bzw. KollegInnen, die verstorben sind, erinnern und würdigen.



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Materialsammlung Umgang mit Tod & Trauer

Die in der nachfolgenden Übersicht aufgeführten ergänzenden Materialien befinden sich im Anhang des Handbuches  "Wenn der Notfall eintritt - Handbuch für den Umgang mit Tod und anderen Krisen in der Schule".   

-->für Interessierte: Inhaltsverzeichnis und  Bestellformular des Handbuches

Rubriken Titel Seiten-
umfang
Bemerkungen
allgemein/
vorab
1.  Leitfaden für den Umgang mit Tod und Trauer in der Schule 3 Kopien & Datei
2.     Inhaltsverzeichnis Notfall-Handbuch   (& Bestellformluar) 3 Original & Datei
3.       Auflistung der Zusatzmaterialien (= diese Seite) 1 Kopie & Datei
4.       Infoblatt: „Wie informiere ich die Klasse“ 1 Kopie & Datei
Trauern 5.       Wie Kinder und Jugendliche trauern 3,5 Kopien & Datei
6.       Der Trauerweg - Trauerphasen 2 Kopien & Datei
7.       Trauerreaktionen/-phasen (Mind Map) 1 Kopie & Datei
8.       Vom Umgang mit Trauer in der Schule – Handreichung für Lehrkräfte und Erzieher/innen 40 Kopien & Datei
9.       Hilfen für den Umgang mit Todesfällen in der Schule 31 Kopien
10.   Reden in Trauerfällen 16 Kopien
11.   Krisenseelsorge im Schulbereich 8 Kopien
12.   Trauern angesichts des Todes einer Schülerin 8 Kopien
13.   Abschiedsfeier eines Lehrerkollegiums von einem verstorbenen Kollegen 3 Kopien
14.   Protokoll eines Abschiedes 1 Kopie
Trauerrituale 15.   Erprobte Rituale und Methoden zum Umgang mit Tod und Trauer in der Schule
--> siehe auch: a) Notfall-Handbuch, Kap. 6.7 (S. 28) und b) Vom Umgang mit Trauer in der Schule, Kap. 3.2 Trauerort & Trauerrituale (S. 13f)
3 Kopien & Datei
sehr empfehlenswert!
Suizid 16.   Leitfaden für das Verhalten in der Schule nach einem traumatischen Erlebnis – speziell bei Suizid /-versuch 17 Kopien & Datei
17.   Schluss – Selbstmord bei Jugendlichen, Vorbeugung und Hilfe 24 Kopien
Sammlung
Todesanzeigen
18.    Ausgewählte Todesanzeigen 30 Kopien
Jenseits 19.   Tod und was dann? 12 Kopien & Datei

 

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